(BO) Vortrag 11.4: „Elemente des Verschwörungsdenkens“

Wir freuen uns sehr auf Einladung des Studierendenkollegs des Hans Kilian & Lotte Köhler Centrums (KKC) am 11. April 2019 an der Ruhr-Universität Bochum zu Gast zu sein.

„Die größte List des Teufels…“ Elemente des Verschwörungsdenkens

Vortrag & Diskussion mit Florian Hessel (RUB/ Bagrut e.V.)

Beginn 19 Uhr, Ruhr-Universität Bochum, Fakultät für Sozialwissenschaft, GD 03/141 (U „Gesundheitscampus“ oder „Ruhr-Universität)

Verschwörungsmythen sind fast allgegenwärtig: im Alltag, in der Populärkultur, in der Politik. Ihre Verfechter sind Linke und Rechte, Religiöse und Säkulare, ihre Träger Einzelne oder ganze Gruppen, und so ziemlich alle und alles dazwischen. Verschwörungskonstrukte bieten Orientierung und Erklärung, sie ‚wissen‘ etwa wer wie und warum das Wetter kontrolliert, die Fabrik nebenan schließt oder Krankheiten und Krieg in die Welt bringt, wo Elvis oder Osama bin Laden heute leben, warum das World Trade Center in New York einstürzte, das Deutsche Reich fortbesteht oder überhaupt Herrschaft, Ausbeutung und Leiden unser aller Leben prägen – und wer davon profitiert. Obwohl sich Verschwörungsmythen mit unendlich vielen Einzelheiten und Details umgeben, ist ihre Form die Erklärung der Welt aus einem Punkt, und mit klaren, übermächtigen, und gerade deshalb verborgenen und bedrohlichen individuellen Verantwortlichen. Innerhalb dieser Erklärungsmuster „besteht die größte List des Teufels […] gerade darin, den Glauben zu erwecken, er existiere überhaupt nicht“ (Léon Poliakov).

Die Veranstaltung wird anhand ‚klassischer‘ und aktueller Beispiele von den „Protokollen der Weisen von Zion“ bis zu 9/11 und den sog. „Mahnwachen für den Frieden“, „PEGIDA“ und des allerneuesten ‚Antiimperialismus‘ in die Geschichte, Struktur und Funktion von Verschwörungskonstrukten und des Verschwörungsdenkens einführen. Zusätzliche Aufmerksamkeit wird dabei deren vielfach gegebenen Zusammenhang mit antisemitischen und antiamerikanischen Ressentiments gewidmet. Im Mittelpunkt wird die Beschaffenheit und innere Verbindung von deren Form der Erklärung der Welt stehen: Warum entfalten Verschwörungsmythen, auch gerade in Zeiten der Krise und der Unsicherheit, Wirkungsmacht? Und lernen wir aus ihnen etwas über ein konkretes Ereignis, oder doch viel mehr über die Einzelnen und die Gruppen, die sie sich aneignen, und über den Zustand ihrer Gesellschaft?

Florian Hessel ist Sozialwissenschaftler und lebt in Hamburg. Er ist Lehrbeauftragter für Sozialpsychologie und Sozialtheorie an der Ruhr-Universität Bochum und engagiert sich als Gründungsmitglied von Bagrut e.V. Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins in der politischen Bildung und Präventionsarbeit gegen Verschwörungskonstrukte und Antisemitismus.

Die Veranstaltung ist Teil der vom Studierendenkolleg des KKC ausgerichteten Reihe „Alles nur Verschwörung? Verschwörungstheorien im Blick der Sozialwissenschaften“.

 

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