(Online) Vortrag 24.9, DGS Kongress: „Antifeminismus & Antisemitismus“

Unsere Vereinskolleg*innen Janne Misiewicz und Florian Hessel stellen am 24. September 2020 auf dem Online-Kongress der Deutschen Gesellschaft für Soziologie Erkenntnisse und Thesen zur Verschränkung von Antifeminismus und Antisemitismus vor.

„‚Gender’ und Feminismus fungieren gegenwärtig über verschiedene politische Lager und Milieus hinweg als Feindbild. In Themenfeldern wie insbesondere Familien-, Geschlechter- oder Sexualpolitiken stellt Antifeminismus praktisch eine Verbindung zwischen verschiedenen extrem rechten Strömungen und dem bürgerlichen Mainstream her. Ihm kommt eine wichtige Integrations- und Scharnierfunktion zu. Innerhalb dieser Konstellation spielt Antisemitismus eine spezifische Rolle.

Im Beitrag werden das Verhältnis und die Verschränkungen von Antifeminismus und Antisemitismus in der Gegenwart thematisiert. Nach einer kurzen Einführung in Begriff und Geschichte des Antifeminismus als anti-modernistisches modernes Ressentiment sowie in dessen aktuelle Formen werden zentral Überschneidungen und Unterschiede von Antifeminismus und Antisemitismus auf gesellschaftsgeschichtlicher sowie konzeptionell-theoretischer Ebene skizziert.

Ein besonderer Fokus wird auf der Frage liegen, wie die Verschränkungen von Antifeminismus und Antisemitismus am Beginn des 21. Jahrhunderts kulturell codiert sind. Zentrale Themen, Elemente und funktionale Dynamiken werden anhand von exemplarischem empirischen Material aus Deutschland aufgezeigt und kurz kontextualisiert. Dazu zählen u.a. eine manichäische Struktur der Darstellung von politisch-gesellschaftlichen Verhältnissen und Entwicklungen sowie eine entsprechend große Nähe zu verschwörungsideologischen Deutungen und Feindbildkonstruktionen unter Verwendung spezifischer Schlag- und Signalwörter.

Antifeminismus erfüllt in der Gegenwart eine spezifische (ideologische wie organisatorische) Integrations- und Scharnierfunktion, die allgemein eine (kommunikations-)latente und – insbesondere im Medium völkisch-antimodernistischer Weltbilder – eine relativ offene Einbeziehung von Antisemitismus enthält bzw. enthalten kann. Davon ausgehend werden wir abschließend einen kurzen Blick auf die aktuellen Potentiale antiemanzipatorischer, demokratiefeindlicher Allianzen unter diesen Vorzeichen werfen und auf deren ‚Rehabilitierung‘ und Legitimierung frauen*feindlicher wie auch antisemitischer Gewaltpraxis in Wort und Tat.“

Zur Teilnahme am Panel „Antifeminismus – Eine alte Ideologie und ihre Rolle in modernen Kämpfen um Gleichheit“ ist eine kostenpflichtige Anmeldung zum Kongress erforderlich.

Zum Kongress-Programm und zur Anmeldung: https://kongress2020.soziologie.de/aktuelles