(Online/PA) Vortrag 19.10: „Elemente des Verschwörungsdenkens“

Wir freuen uns sehr im Rahmen der interessanten digitalen Ringvorlesung „Utopie oder Dystopie? Leben in einer diversen Gesellschaft“ des Zentrums Geschlechterstudien u.a. an der Universität Paderborn zu Gast zu sein. Unser Vereinskollege Florian Hessel spricht am Dienstag, 19. Oktober 2021 ab 19 Uhr zum Denken in „Verschwörungen“. Eine Anmeldung per Email ist erforderlich.

Dienstag, 19. Oktober 2021 – 19:00 Uhr

Ort:  Online – Anmeldung mit Informationen über Vor- und Zuname (und ggf. Organisation) via genderzentrum(a)uni-paderborn.de

„Die größte List des Teufels…“ Elemente des Verschwörungsdenkens

Vortrag & Diskussion mit Florian Hessel, moderiert von Sebastian Bischoff

Verschwörungsmythen sind populär: In Medien, Kultur und Politik, unter Erwachsenen und Jugendlichen, auf der Rechten, auf der Linken und in der Mitte. Sie sind uns allen allzu vertraut.

Obwohl sich Verschwörungsmythen mit unendlich vielen Einzelheiten und Details umgeben, ist ihre Form die personalisierende Erklärung der Welt aus einem Punkt – mit klaren, übermächtigen, und gerade deshalb verborgenen und bedrohlichen individuellen Verantwortlichen: Was wie warum geschieht und wer davon angeblich profitiert erhält eine Gestalt und ein Gesicht.

Die Kampagnen der extremen Rechten, die Kanäle ‚alternativer‘ Medienschaffender oder das Gerücht aus ‚sicherer Quelle‘ im sozialen Netzwerk – wo eindeutige Erklärungen angeboten werden, sind die angeblich einfachen Lösungen nicht weit. Verschwörungsmythen einigen Menschen über ein gemeinsames, absolutes Feindbild.

In Zeiten von Unübersichtlichkeit und anonymer Herrschaft bedienen Verschwörungsmythen die instrumentelle Logik gesellschaftlicher Struktur. Sie legitimieren kritiklose Zustimmung, Misstrauen und Kompromisslosigkeit, sie begünstigen Ressentiments wie Antisemitismus und entwerten Kritik-, Vertrauens- und Kompromissfähigkeit, die Basis für eine demokratische Gesellschaft.

Der Vortrag skizziert Geschichte und Wandel sowie wesentliche Grundlagen der gesellschaftlichen und sozialpsychologischen Funktion und Wirksamkeit des Denkens in „Verschwörungen“: Warum entfalten Verschwörungsmythen, auch gerade in Zeiten der Krise und gesteigerter Unsicherheit, Wirkungsmacht? Und lernen wir aus ihnen etwas über ein konkretes Ereignis, oder doch viel mehr über die Einzelnen und die Gruppen, die sie sich aneignen, und über den Zustand ihrer Gesellschaft?

Im Anschluss werden wir Ansätze diskutieren, wie Verschwörungsvorstellungen im beruflichen Alltag, in politischer Bildung und Jugendarbeit zielführend begegnet werden kann.

Florian Hessel ist Sozialwissenschaftler und lebt in Hamburg. Er ist Lehrbeauftragter der Fakultät für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum und des Zentrums Gender & Diversity der Universität Hamburg und arbeitet als freier Referent und wissenschaftlicher Berater in der politischen Bildung und Antisemitismusprävention. Er ist Gründungsmitglied von Bagrut e.V. Verein zur Förderung demokratischen Bewusstseins.

Zum „Verschwörungsdenken“ hat er u.a. gemeinsam mit Mischa Luy und Pradeep Chakkarath 2020 eine Themenausgabe der Zeitschrift Psychosozial herausgegeben <https://www.psychosozial-verlag.de/8291>