Angriffskrieg auf die Ukraine – Zivilgesellschaftliches Engagement!

Der Schock über den Angriffskrieg der Russischen Föderation auf die demokratische Ukraine und die entfesselte Gewalt sitzt tief – wie der ’späte‘ Zeitpunkt dieses Posts zeigen dürfte.

So wenig dies sein mag, möchten wir zuerst und vor allem den Menschen in der Ukraine unsere Solidarität ausdrücken und unsere Unterstützung versichern. Unsere Solidarität und Unterstützung gilt ebenso allen Menschen in Russland, die zeigen (wollen), dass dieser Krieg nicht ihr Krieg ist: нет войне!

Als zivilgesesellschaftliche Initiative und als Verein zur Demokratieförderung muss es uns ein Anliegen sein, zumindest einige für uns in Deutschland mögliche Wege zu teilen, wie diese Solidarität und Unterstützung neben den zahlreichen und wichtigen Protesten etwas konkreter werden kann…

Hilfe und Unterstützung für alle(!) vor der Gewalt aus der Ukraine fliehenden Menschen muss ein zentrales Anliegen der Zivilgesellschaft – wie der Gesellschaft an sich – sein. PRO ASYL sammelt auf ihrer Website Information für Geflüchtete, auch auf russisch und ukrainisch. Neben den vielen Sachspenden- und sonstigen Hilfsaktionen ist Geld vielleicht noch wichtiger um koordinierte humanitäre Hilfe in Deutschland wie in der Ukraine und an den Grenzen bereit stellen zu können. Die Hamburger Bürgerstiftung verteilt bspw. entsprechend Gelder und gibt Tipps wie man sich vor Ort (nicht nur in Hamburg) praktisch engagieren kann; die ukrainische Nationalbank hat ebenfalls entsprechende Konten eingerichtet.

— Medien und Zivilgesellschaft in Russland werden seit Jahren von den Autoritäten angegriffen und behindert, Informationen werden seit längerem staatlich kontrolliert und unabhängige Informationskanäle nun mit dem ____ (Wort in Russland verboten) in der Ukraine fast völlig geschlossen.

Umso wichtiger ist die Unterstützung unabhängiger kritischer wahrheitsgetreuer Berichterstattung wie bspw. durch das (inzwischen) aus den baltischen Staaten arbeitende Portal Meduza – man erreicht die zahlreichen Leser*innen innerhalb Russlands weiterhin via soziale Medien, VPN, Apps, ist aber von deren Spenden durch die Sanktionen abgeschnitten. Es ist nun auch an uns, durch Spenden solche entscheidend wichtigen Informationsquellen weiter zu ermöglichen.

— Bereits im Dezember 2021 wurde in Russland die Schließung und Auflösung der ältesten Menschenrechtsorganisation, MEMORIAL, angeordnet – wie andere Akteure der Zivilgesellschaft wird sie auch aktuell weiter mit Repression überzogen. MEMORIAL hat sich um die Erinnerung an die Opfer der stalinistischen Gewalt und des Archipel GULag verdient gemacht, erinnert aber auch an die Opfer staatlicher Gewalt und Gewaltpraxis in Russland heute. Beides potenziell Störfaktoren im Geschichts- und Gesellschaftsbild der russischen Autokratie. Die Zeitschrift Osteuropa hat dazu ein Dossier zusammengestellt.

Aktuell berichtete die taz – die Arbeit kann über die deutsche Sektion von MEMORIAL unterstützt werden.

— Information, Bildung und Diskussion sind die Grundlagen jeder demokratischen Öffentlichkeit und Gesellschaft. Und noch immer existiert viel zu wenig Wissen über Geschichte und Gesellschaft der Ukraine, Belorusslands und der Russischen Förderation. In einigen Milieus oder in unseren Familien werden weiter veraltete Deutungen und Bilder kultiviert – in einigen politischen Spektren zwischen Linkspartei und AfD sogar die Propaganda und Desinformation der russischen Behörden und Staatsmedien verbreitet. Informiert euch, lest, diskutiert und klärt auf. Bezieht einen Standpunkt. Demokratie und die Möglichkeit zur Selbstbestimmung beginnt mit Öffentlichkeit.

Neben bspw. dem Newsblog und den Sendungen von tagesschau.de oder dem Ukraine-Newsblog der New York Times (in englisch) – allen Medien eures Vertrauens (jenseits der jungen welt, RT deutsch oder „irgendwer bei Telegram“!): Die Zeitschrift Osteuropa veröffentlicht regelmäßig, auch tagesaktuell, entsprechende Analysen und Kommentare zu Geschichte und Gesellschaft, vielfach von Autor*innen aus den osteuropäischen und post-sowjetischen Gesellschaften; Dekoder übersetzt Beiträge aus russischsprachigen Medien; das unabhängige Nachrichtenportal Meduza übersetzt zahlreiche tagesaktuelle Beiträge auch in englischer Sprache und führt einen täglichen Newsblog zum Krieg in der Ukraine.

Bildauschnitt via BR, Protest auf dem Pushkinplatz in Moskau (picture alliance/dpa/Sputnik | Vitaliy Belousov)